Handwerkergymnasium startet im Landkreis Gotha
Die Thüringer Allgemeine berichtet am 09.12.2025: Berufsschulzentren in Gotha beschließen neues Bildungsangebot
Handwerkergymnasium (BG+) starten. Am Montag ist dafür der entsprechende Kooperationsvertrag unterzeichnet worden. Geplant ist, dass künftige Abiturientinnen und Abiturienten parallel zum Abitur die Grundlage für den zukünftigen Erwerb eines Meistertitels erhalten.
Für Landrat Onno Eckert (SPD) vervollständigt sich damit das „Puzzle der Bildungslandschaft“ im Kreis Gotha. „Wir wollen damit zeigen, die berufliche Entwicklung ist mit der Gesellenprüfung nicht abgeschlossen.“
Das Projekt mit den sogenannten Handwerkgymnasien startete bereits 2016. Sie gibt es bislang in Mühlhausen, Sondershausen, Sömmerda und zweimal in Erfurt. Wer diesen Bildungsweg beschreitet, schließt allerdings nicht automatisch eine Ausbildung im Handwerk an. „Wir registrieren aber, dass bei den Schülern die Offenheit für das Handwerk wächst“, schildert Judith Döring, Abteilungsleiterin berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Erfurt.
Kosten- und Zeitersparnis bei der Meisterausbildung
Das neue, zusätzliche Bildungsangebot soll über eine Kooperation zwischen dem Berufsschulzentrum „Hugo Mairich“ in Gotha-Ost und dem Berufsschulzentrum Gotha-West umgesetzt werden, das schon jetzt ein berufliches Gymnasium in Sundhausen anbietet. Ziel ist es, dem Fach- und Führungskräftebedarf im Thüringer Handwerk entgegenzuwirken und gleichzeitig dem steigenden Trend zum Abitur gerecht zu werden.
„Als Landratsamt können wir dieses zukunftsweisende Vorhaben unserer beiden Schulen nur unterstützen“, sagt Onno Eckert und ergänzt: „Das Handwerkergymnasium ist ein wichtiger Meilenstein für die Wirtschaft in unserer Region. Wir reagieren damit direkt auf den dringenden Bedarf des regionalen Handwerks an qualifizierten Nachwuchskräften.“
Die künftigen Abiturientinnen und Abiturienten absolvieren schon während der gymnasialen Oberstufe zwei wichtige Module der Meisterausbildung (Betriebswirtschaftslehre und Ausbildereignung). Schließen die Schüler nach dem Abitur eine Berufsausbildung im Handwerk an, profitieren sie von einer verkürzten Ausbildungsdauer und erhalten die Möglichkeit, nach dem Gesellenbrief direkt den Meistertitel folgen zu lassen. So sparen die Absolventen nicht nur Zeit, sondern auch Kosten bei der Meisterausbildung (aktuell ca. 2500 Euro).
Ein wichtiger Bestandteil des Handwerkergymnasiums ist die Praxis. Diese wird nicht nur im Unterricht abgebildet, sondern auch bei Praktika in Handwerksunternehmen – in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Erfurt und der Kreishandwerkerschaft Gotha – vermittelt.
Am 17. Januar 2026 gibt es von 9 bis 12 Uhr bei einem Tag der offenen Tür am Beruflichen Gymnasium in Gotha-Sundhausen auch die Möglichkeit, sich über das neue Handwerkergymnasium zu informieren.
© Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf