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Wie wollen wir hier gedenken – heute und in Zukunft?

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Was heißt es für uns persönlich, zu gedenken? Wie können wir junge Menschen erreichen?

Diesen und ähnlichen Fragen zum Thema lebendiger Erinnerungskultur waren die Podiumsdiskussion und die Workshops anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des KZ- Außenlagers Ohrdruf durch die Alliierten am 04.04.1945 gewidmet. Dieses KZ existierte zwar nur wenige Monate, von November 1944 bis April 1945, dennoch wurden ca. 20000 Menschen dorthin verschleppt und ca. 7000 verloren auf grausamste Weise ihr Leben.

Eine Gruppe interessierter Jugendlicher organisierte und gestaltete am 28.03.2026 diesen Gedenktag im Rahmen des Projekts „My Historylab“ mit Unterstützung der Stiftung EVZ (Erinnerung Verantwortung Zukunft) und der Arolsen Archives. Einige Schüler*innen aus der BG23 und BG24 nahmen gemeinsam mit mir daran teil.

Der Gedenktag begann 10:30 Uhr mit einer Gedenkveranstaltung auf dem Gelände des ehemaligen KZs auf dem Truppenübungsplatz in Ohrdruf.

Christoph Mauny von der Weimarer Mal- und Zeichenschule hielt eine sehr bewegende Rede, die deutlich machte, wie wichtig das Erinnern an jeden Einzelnen der Menschen ist, die durch die Nazis zu einer Nummer degradiert, entmenschlicht, gequält und getötet wurden. Gerade heute in einer Zeit, in der das Gedankengut der Nationalsozialisten wieder salonfähig zu werden scheint.

Hinsehen – Genau hinsehen! Das wollten auch die Schüler*innen einer 9. Klasse und stellten ihr Projekt „Ich seh etwas, was du nicht siehst!“ vor, in dem sie sich künstlerisch durch die Gestaltung von Augen auf Glas dem Thema widmeten.

„Ich seh etwas, was du nicht siehst und das ist ein Hakenkreuz auf dem Schulhof. Ich seh etwas, was du nicht siehst …“- die Worte der Schülerin rüttelten auf und zeigten, dass viel zu oft nicht hingesehen wird und die Augen vor Situationen wie diesen verschlossen werden.

Nach einem kurzen informativen Rundgang bekamen wir Gelegenheit individuell an die über 7000 getöteten Häftlinge zu gedenken und Blumen am Massengrab niederzulegen.

Ein reger Gedankenaustausch über die Frage „Wie wollen wir hier gedenken- heute und in Zukunft?“ fand dann am Nachmittag im Schloss Ehrenstein statt. Junge engagierte Schüler*innen berichteten von ihren Erfahrungen, zeigten vielfältige spannende Alternativen zum traditionellen Umgang mit der Geschichte und der Erinnerung auf. Uns eröffneten sich völlig neue Perspektiven und Formen ganz persönlicher individueller Möglichkeiten des Erinnerns. Einige davon durften wir in den Workshops ausprobieren.

Marvin, Niclas, Nils und ich setzten uns mit Bruchstücken aus den Biografien ehemaliger Häftlinge auseinander und versuchten, eine ganz persönliche Erinnerung in Blaudruck zu kreieren. Luca, Leo, Jannis und Joris erkundeten virtuell das Gelände des ehemaligen KZs Ohrdruf und informierten sich individuell über Zeitzeugenaussagen und Bildmaterial mithilfe des digitalen Bildungsmoduls „Suspekt. Landschaft des Verbrechens“

Gebt den Opfern wieder Namen und Gesicht. – Gebt ihnen ihre Individualität zurück. Erzählt ihre Geschichte. Die Projekte des Arolsen Archives machen dies zum Teil möglich und jeder Einzelne kann sich beteiligen und mithelfen.

Ich habe am Samstag erlebt, dass es Menschen gibt, die sich engagieren, die nicht wegsehen, sondern handeln - danke an alle Beteiligten und an unsere Schüler*innen, die sich gestern so großartig eingebracht haben.

„Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt!“ (Die Ärzte)

Ch. Weidner
Lehrerin für Deutsch, Geschichte, Seminarfach

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